Donnerstag, den 02. August 2012 um 21:00 Uhr

So werden junge Menschen, die Vorbild für so viele sein könnten erst stigmatisert, dann an den Pranger gestellt und schließlich medial geschlachtet. Der Grund: der falsche Freund.
Es klang zuerst ganz harmlos: Die Ruderin Nadja Drygalla hat das olympische Dorf verlassen. Hm, ok, wird schon seinen Grund haben. Aber dann platzte die Bombe: Sie wäre mit einem NPD-Funktionär aus Rostock liiert und der Olympische Sportbund hätte davon nichts gewusst. Man muss diesen Satz immer wieder lesen, um zu begreifen, was man überlesen hat. Was hat die junge Frau verbrochen? Ist sie auch NPD-Funktionärin? Hat sie antisemitisches Geschwätz von sich gegeben? Nichts. Nichts von alledem war in all den nachfolgenden Meldungen zu lesen. Hallo? Geht’s noch? Die Frau, Nadja Drygalla, hat sich nichts zu schulden kommen lassen, außer, außer sie hat den falschen Freund. Willkommen im Vierten Reich!
COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer bringt es in seinem sehr treffenden Blogbeitrag auf den Punkt: “Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. Selten ist die Meinungsdiktatur, die Verkommenheit der Intellektuellen und der schlichte Wahnsinn in diesem Land so ekelhaft zum Ausdruck gekommen wie in der Hetzjagd auf die deutsche Ruderin Nadja Drygalla.”
Eine bessere Zustandsbeschreibung für unser Land gibt es nicht. Elsässer weiter: “es geht um eine hervorragende Athletin, neben der in den letzten Jahren die Politiker des Landes Mecklenburg-Vorpommern gerne auf Fotos posierten, weil sie in dieser deindustrialisierten Armutszone offensichtlich ein Vorbild für die Jugend war.” Und sie wird auch niemals mehr für Deutschland starten, so aus dem Olympia-Hauptquartier in London. Karriere futsch. Ein Leben ruiniert.
Warum? Sie hat einen Freund, der bei den Rostocker Rechten aktiv ist. Doch Drygalla “selber, das sagen alle ohne jede Ausnahme, hat sich in dieser Richtung nie etwas zu schulden kaum lassen. Sie ist kein Mitglied, war nie auf Demos, nicht einmal auf Partys”, so Elsässer weiter und “nicht einmal im privaten Gespräch – so gestern ihr Team-Kollege Rudi Sauer in der Tagesschau – fielen von ihr irgendwelche Äußerungen”. Schlimmer geht’s immer, denn der Skandal im Skandal: Dass Drygalla mit einem Rostocker Rechten liiert war, war lange bekannt.
Elsässer dazu: “Sagen wir es deutlich: Die Hetzjagd auf Nadja Drygalla – das ist Nazismus pur! Jemand zur Unperson zu machen, weil er oder sie den falschen Partner hat – das ist Sippenhaft! Die verlogenen Antifaschreier – das sind die neuen Faschisten! Wie die Nazis das Wort Sozialismus missbrauchten, um das Gegenteil ins Werk zu setzen, so missbrauchen sie das Wort Antifaschismus.”
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Quelle: compact-magazin.com vom 04.08.2012