Ruderin Nadja Drygalla: ans Hakenkreuz genagelt

COMPACT September 2012

COMPACT-Cover 9/2012

Jürgen Elsässers Editorial aus COMPACT 9/2012: “Olympia: Liebe und Sippenhaft”

 

Die Septemberausgabe von COMPACT-Magazin ist seit gestern bundesweit am Kiosk. Tiotelthema: “In den Klauen des Euro-Monsters”. mit einem “Dossier: Syrien – Die Wiege der religiösen Toleranz, von Terroristen zerstört”. Hier finden Sie das komplette Inhaltsverzeichnis und das Bestellformular.

Und hier ein Auszug auf meinem Editorial.

Olympia: Liebe und Sippenhaft

Eine junge Frau, schön, athletisch, strahlend, blond – so sehen wir die Rostocker Ruderin Nadja Drygalla auf dem Foto mit ihren Kameradinnen des Frauenachters auf Seite 5 in dieser Ausgabe. Von derselben Frau gibt es Bilder von Anfang August 2012, nach ihrer Abreise von Olympia: Zusammengesunken, mit rotgeränderten, verheulten Augen, den Blick starr, den Mund hilflos geöffnet wie ein Fisch auf dem Trockenen. Was hat die 23jährige in der zarten Blüte ihrer Jahre in ein Häufchen Elend verwandelt? Können wir es uns leisten, die Besten und Fleißigsten unserer Jugend so enden zu lassen?

Eine junge Frau, mit klarem ehrlichen Blick, zurückhaltend bis schüchtern im Auftreten, ist zum Lustobjekt einer Hexenjagd geworden. Der Grund: Die intime Beziehung mit einem mutmaßlichen Extremisten. Die geilen Medien ziehen ihren Fall hoch, ihr Privatleben wird dem öffentlichen Voyeurismus preisgegeben. Der Kommissar fragt sie rüde: „Hat er Dich gefickt?“ Sie wird rot und antwortet, zitternd vor Erniedrigung und Scham: „Nein, ich würde es nicht so nennen.“ Die Rede ist nicht von Nadja Drygalla, sondern von Katharina Blum, deren „verlorene Ehre“ Heinrich Böll in seiner wohl bekanntesten Novelle beschreibt. Böll wollte damit die Gesinnungsjagd auf vorgebliche Anhänger der Roten Armee Fraktion in den siebziger Jahren anklagen. Wer sich damals ins Visier der staatlichen und medialen RAF-Sympathisantenjagd geriet, konnte schnell ein paar Monate in Untersuchungshaft verschwinden. Für K-Grüppler, die den RAF-Terror scharf ablehnten, reichte es immer noch zu Berufsverboten. Auch ich musste mich als Lehramtsanwärter entsprechenden Inquisitionen unterziehen und kam nur mit Glück durch. Die gesamte Linke, Liberale wie Böll eingeschlossen, war damals empört über die „Gesinnungsschnüffelei“.

Heutzutage ist die Bleierne Zeit – so der Titel eines mehrfach preisgekrönten Spielfilmes zum Thema von Margarethe von Trotta – zurück, aber die damals Verfolgten sind heute die Verfolger. Ähnlich vulgär wie der Kommissar in Bölls Roman schnauzt ein Kommentator der grün-nahen Tageszeitung Frau Drygalla an: „Nun will sie uns weismachen, sie habe mit rechter Ideologie nichts zu tun. Wie heuchlerisch! Bestand ihre fünfjährige Beziehung etwa nur aus Vögeln und Schweigen?“ Man bedenke: Das Halali der fast gleichgeschalteten Medien gründete sich ausschließlich darauf, dass ein kleines Antifa-Blatt die Beziehung Drygallas mit einem Rostocker NPD-Kandidaten offengelegt hatte. Der einzige Grund für ihre erzwungene Abreise aus London, man fasst es kaum, war also, dass sie den falschen Freund hat. Sie selber hat sich explizit und mehrfach von allem Rechtsradikalen und Rassistischen distanziert, und kein Mensch konnte ihr in dieser Richtung auch nur das Geringste nachweisen. Sie ist kein Mitglied bei irgendwelchen Rechten, war nie auf einschlägigen Demos, nicht einmal auf Partys. Es gibt keine Zitate von ihr, auch die Blogwarte auf Facebook haben nicht das mindeste gefunden, nicht einmal im privaten Gespräch – so ihr Team-Kollege Rudi Sauer in der Tagesschau – fielen von ihr fragwürdige Äußerungen.

 (…) Was mehr als alles andere für diese Athletin spricht, ist ihr gutes Herz. Sie steht zu ihrem Freund, obwohl das ihrer beruflichen und sportlichen Karriere geschadet hat. Für ihre Liebe hat sie, die Unschuldige, sich in Sippenhaft nehmen, ans öffentliche Hakenkreuz nageln lassen. Wo findet man das heute noch? (…)

Quelle: juergenelsaesser.wordpress.com vom 01.09.2012

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