Euro-Krise – Griechenlands größte Firma flieht in die Schweiz

11.10.2012
Strand bei Athen: Die Cola bleibt, das Unternehmen verschwindet

AFP

Strand bei Athen: Die Cola bleibt, das Unternehmen verschwindet

Das Vertrauen in Griechenland schwindet. Der größte Konzern des Landes, ein Cola-Abfüller, will seinen Sitz in die Schweiz verlegen. Es ist nicht das erste Unternehmen, das vor der Krise ins Ausland flieht.

Athen – Erst ging das Geld, jetzt gehen die Firmen. In Griechenland hat der Exodus der Wirtschaft begonnen. Am Donnerstag teilte Coca Cola Hellenic mit, seinen Sitz in die Schweiz und seinen Börsenplatz nach London zu verlagern. Der Getränkeabfüller ist das nach Marktwert größte Unternehmen des Landes.

Zwar sollen die griechischen Fabriken des Unternehmens bestehen bleiben. Doch die Flucht ist ein schlechtes Zeichen für die griechische Wirtschaft. Seit fünf Jahren steckt das Land in einer Rezession, ein Ende ist nicht abzusehen. Im Juli dieses Jahres stieg die Arbeitslosenquote erstmals über 25 Prozent.

Wegen der Unsicherheit über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone transferieren viele Unternehmen ihre Umsätze jeden Abend ins Ausland. Doch für den Abgang von Coca Cola Hellenic (CCH) könnte es noch einen anderen Grund geben: Der Konzern hatte sich zuletzt über steigende Steuern in Griechenland beschwert.

Die Firma ist der zweitgrößte Coca-Cola-Abfüller der Welt und gehört zu 23 Prozent dem US-Limonadenkonzern. Im vergangenen Jahr erzielte CCH einen Nettogewinn von 330 Millionen Euro bei Umsätzen von 6,85 Milliarden Euro. Etwa 95 Prozent des Geschäfts machte CCH im Ausland, nur fünf Prozent in Griechenland. CCH-Chef Dimitris Lois sagte, die Entscheidung, Firmensitz und Börsenplatz zu wechseln, ergebe “betriebswirtschaftlichen Sinn”.

Auch andere Unternehmen fliehen ins Ausland. Erst kürzlich hatte die Milch- und Joghurtfirma FAGE bekanntgegeben, ihren Firmensitz nach Luxemburg zu verlegen.

Kritik kam aus der griechischen Wirtschaft. “Die haben keinen ökonomischen Patriotismus”, sagte Vassilis Korkidis, Präsident der Griechischen Groß- und Einzelhändlervereinigung. “Sie haben die Wahl, ins Ausland zu ziehen. Wir nicht. Wir müssen bleiben.”

stk/Reuters/dapd

Quelle: Spiegel-online vom 11.10.2012

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